Ein Freund der Bürgerinitiative "Shell to Sea" (gegen Shell-Erdgaspipelines) aus Irland schickte uns folgendes Zitat:
"There is no horror, no cruelty, sacrilege, or perjury, no imposture, no infamous transaction, no cynical robbery, no bold plunder or shabby betrayal that has not been or is not daily being perpetrated by the representatives of the states, under no other pretext than those elastic words, so convenient and yet so terrible: 'for reasons of state.' Bakunin "
Auf Deutsch etwa: "Es gibt kein Grauen, keine Grausamkeit, kein Sakrileg, keinen Meineid, keinen Schwindel, keine infame Aktion, keinen zynischen Raub, keine riesige Plünderung, keinen schäbigen Betrug, der von den Vertretern des Staates nicht täglich ausgeführt wurde oder wird - unter keinen anderen Vorwand als den elastischen Worten, so einfach und doch so schrecklich: "Aus Staatsinteresse!"

 

Inhalt:



Michael Johann, Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern Kärnten

Tauerngasleitung:
Teuer und umweltschädlich!

Hinter verschlossenen Türen plant die Betreibergesellschaft TGL schon über ein Jahr das Projekt einer 260km langen Tauerngasleitung von Auerbach im Innviertel, durch Salzburg (Wies-, Salzachtal, Golling, Lammertal, Pongau), über den Katschberg nach Kärnten (Millstätter See, Paternion, Feistritz im Gailtal) bis Tarvis.

Obwohl die Betreibergesellschaft TGL in ihrer Homepage vorgibt, eine offene Informationspolitik zu betreiben, wissen aber nur die allerwenigsten Anrainer und Grundbesitzer, was da auf sie zukommt:

  • Die TGL-Betreiber argumentieren mit falschen Fakten: Sie behaupten, dass die Leitung in 50m Entfernung von bebautem Gebiet vorbeiführen soll. Faktum ist, dass die Leitung mit einem Erdgasdruck von bis zu 100 bar (!) in mehreren Fällen nur wenige Meter von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden vorbeiführen wird.

  • Für den Bau der dicken Gasleitung, die nur 1 m unter der Erdoberfläche liegt, wird ein bis zu 27 Meter breiter Arbeitsstreifen benötigt. Es ergeben sich dauerhafte Nachteile wie Bauverbote, die nicht nur für die entschädigten Flächen, sondern für einen breiten Streifen entlang der Pipeline gelten.

  • Die TGL-Betreiber verdienen sich an der Pipeline goldene Nasen, die Bauern bekommen nur einen Schlapf: Von den 840 Mio. Euro an Investitionen für den Bau der 260 km langen Pipeline werden nur etwa 25 Mio. Euro für die Ablöse von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken bezahlt.

  • Eine Einigung zwischen den Betreibern und den Landwirtschaftskammern Salzburg und Kärnten über einen Rahmenvertrag zur Grundablöse ist gescheitert. Nun setzen die Betreiber die betroffenen Grundbesitzer einzeln unter Druck, um die Pipeline bauen zu können. Wer den Optionsvertrag unterschreibt, hat davon nur Nachteile, weil er für 7 Jahre in der Verwendung des Grundstückes stark eingeschränkt ist, aber dafür kaum eine Gegenleistung erhält.

  • In Gesprächen haben TGL-Vertreter Bauern mehrfach mit Enteignung gedroht: Eine Enteignung ist aber gar nicht möglich, weil sich das Projekt erst im Stadium einer Machbarkeitsstudie befindet. Ohne öffentliches Interesse am Pipelinebau gibt es aber auch künftig keine Rechtsgrundlage für Enteignungen (die Pipeline ist nicht in den Energiekonzepten der Länder Salzburg und Kärnten enthalten).

  • Die Pipeline bewegt sich in schwierigem geologischen Gebiet und gefährdet strategische Grund- und Trinkwasserreserven.

  • Die Gefahren durch das hochexplosive Erdgas sind beträchtlich: So explodierte erst im Herbst 2007 eine Erdgaspipeline in Deutschland nach einem durch eine Absackung entstandenen Riss, rund 2 ha Wald gingen in einer riesigen Stichflamme auf, eine gegenüberliegende Bahnlinie wurde zerstört, nur durch Glück gab es keine Toten.

  • Die Pipeline ist ein Klimakiller: Die jährlich transportierte Erdgasmenge verursacht bei der Verbrennung 20 Mio. Tonnen Kohlendioxid. Das Gas Methan, das bei Wartungsarbeiten und Störfällen freigesetzt, wird ist ebenfalls ein starkes Treibhausgas. Die geplanten drei Verdichterstationen in Feistritz/Gail, Flachau und Auerbach sind durch ihre hohen Abwärmeverluste sehr ineffizient und tragen zum Treibhauseffekt bei.

  • Es ist unklar, wer die Tauerngasleitung später einmal betreiben wird: Kelag und Salzburg AG haben nur Minderheitsanteile, der deutsche Energieriese eon-Ruhrgas, der fast die Hälfte an der TGL besitzt und mit der russischen Gazprom eine strategische Allianz eingegangen ist, bleibt dezent im Hintergrund. Die Optionsverträge bleiben aber auch dann gültig, wenn beispielsweise die Gazprom die Tauerngaspipeline übernimmt.

  • Kärnten bekommt nur 2% der in der TGL transportierten Gasmenge. Kärnten ist nur ein Transitland und hat somit keine Vorteile von der Tauerngasleitung.

  • Pellets statt Putin! Wenn die Pipeline gebaut wird, konkurrenziert das Erdgas unsere heimischen Energieträger wie Biomasse. Es wäre sinnvoller für die Energieversorger Kelag und Salzburg AG, statt in fossiles Erdgas aus dem Ausland in heimische erneuerbare Energien zu investieren. Mit 840 Mio. Euro könnten zahllose Biomasseheizwerke, Holzkraftwerke, Windräder und Solaranlagen errichtet werden.

  • Der Ausbau der Erdgas-Infrastruktur macht uns von politisch instabilen Ländern wie Libyen, Iran und Russland abhängig. Der sprunghafte Anstieg des Erdgaspreises (und damit verbunden der Anstieg des Strompreises!) im letzten Jahr beweist, dass uns die Energieversorgung aus Erdgas mittelfristig wesentlich teurer kommen wird, als der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Deshalb fordern wir:

  • Planungs- und Baustop für den Ausbau der Tauerngasleitung!

  • Die enormen Summen, die für den Leitungsbau notwendig wären, sollen besser für erneuerbare Energien zur Verfügung gestellt werden, statt für den Klimakiller Erdgas.


Dieter Burgstaller, Unternehmer und Landwirt in Döbriach, Gemeinderat in Radenthein, Kammerrat der Wirtschafts- kammer Kärnten

"Bis hier her und nicht weiter...!"

Wer die Pläne der Trasse auf Kärntner Seite betrachtet, dem wird auffallen, daß die Tauerngasleitung den Nationalpark "umfährt" - fein säuberlich an der Grenze entlang! Warum läuft die Leitung über unsere Grundstücke, nicht aber durch den Nationalpark???

Die Entschädigung erhält der Grundeigentümer für die derzeitige Widmung. Was aber ist mit der Zukunft, was ist mit Bauerwartungsland???

Durch die Verträge werden die Eigentumsrechte stark eingeschränkt - wer will tatsächlich die Steuern für Land bezahlen, das ihm nicht mehr gehört???

Bei steilen Wäldern und Wiesen ist jahrelange Erosion zu erwarten - wer entschädigt das???

Was ist mit dem späteren Wegebau? Soll man sich von seinen eigenen Wirtschaftsflächen abschneiden lassen???

Der entgültige Betreiber ist laut Verträgen gar nicht bekannt - wer ist der Vertragspartner? Wer weiß, ob es den Vertragspartner in 50 Jahren noch gibt? Wer entsorgt dann die Leitungen? Der Grundbesitzer???

Die Bauern sind die Lieferanten von erneuerbarer Energie. Und die eigene Konkurrenz soll ihre fossile Energie über unser Land leiten???

Es gibt keine Abgeltung für viele Folgeschäden. Wer zahlt für Rutschungen, Verdichtungen, Randstreifenschäden (Austrocknung, Wind, Unwetter...), Wirtschaftserschwernis, Nutzungsentgang, Behinderung durch Markierungen, Bonitätsverlust, Zufahrtsrechte...???

Wir kaufen von den Konzernen und Ölmultis die überteuerten Rohstoffe und sind ihrer Preispolitik hilflos ausgeliefert! Dafür wollen sie jetzt auch noch über unser Land! Soll WIR uns mit Almosen abspeisen lassen, damit sinnlose Wolkenkratzer in die Wüste gebaut werden können, weil SIE schon nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld???

Die Entschädigung beträgt € 6,40 bei Wiesen und Feldern oder € 4,40 bei Wald pro m2...
Jeder dieser m2 ist ein m2 bäuerlicher Besitz!
Jeder dieser m2 ist ein m2 Erbe von Euren Vorfahren!
Jeder dieser m2 ist ein m2 Zukunft Eurer Kinder!
Jeder dieser m2 ist ein m2 Hoffnung Eurer Betriebsnachfolger!
Jeder dieser m2 ist ein m2 Verantwortung für Natur, Gesundheit und Sicherheit!
Jeder dieser m2 ist ein m2 Heimat!

In Kärnten endet diese Leitung spätestens an meiner Grundstücksgrenze!
"Bis hier her und nicht weiter
kamen die russischen Bauarbeiter!"
(Der Haidach Gasspeicher in OÖ und nördliche Ausgangspunkt der TGL ist ein Joint Venture Projekt und gehört zu 33% der RAG bzw. e-on bzw. Ruhrgas, 33% der Wingas und 33% Gasexport = russische Gazprom)


Fotos von der Baustelle in Valbruna und Camporosso an der österreichisch-italienischen Grenze:

Die Baustelle steht nicht nur beim großen Verteilerzentrum in Haidach (OÖ) an der Salzburger Grenze, sondern auch schon in Valbruna bzw. Camporosso (Nähe Tarvis) an der österreichisch-italienischen Grenze an. Salzburg und Kärnten sind das fehlende Bindeglied, um das russische Erdgas der Gazprom kreuz und quer durch Europa zu pumpen...

Fakt und Fiktion:
Die schematische Darstellung des Bau-Streifens durch die TGL und die echte Baustelle:
In der schematischen Darstellung suggeriert die TGL eine saubere schmale Baustelle - gleichsam geschnitten mit dem Skalpell. Doch die Wahrheit sieht anders aus: massive Einschnitte in die Umwelt mit bleibenden Schneisen als Angriffspunkte für Erosion, breite Arbeitsstreifen und Aufwühlung des Mutterbodens (langjährige Vernichtung des Bewuchs), tiefe Gräben mit der steten Gefahr des Anschnittes von Quellen usw.
Größenverhältnisse:
Arbeitsweise:
Wenig vertrauenerweckende Schweißarbeiten in Dreck, Morast und Wasser (man beachte auch die abgefallene und verbogene Schutzabdeckung des Rohres am rechten Bild) - und: was wird da alles mit verlegt???

TGL streitet Gasunfälle ab - doch 2007 explodierte in Hessen eine Pipeline des selben Betreibers e-on Ruhrgas

Weinbach-Gräveneck (Deutschland) 28. August 2007 (zum Videofilm):
Verwüstungen in einem Umkreis von etwa 150 m (2,25 ha) hat eine Gasexplosion bei Weilburg am Dienstagmorgen, 28. August 2007, angerichtet. Der Verkehr der Lahntalbahn kam zum Erliegen. Die Flammen schossen rund 100 Meter hoch. 16 Menschen wurden leicht verletzt.
Wie die Polizei mitteilte, war offenbar Gas aus einer defekten Leitung ausgeströmt und hatte sich entzündet.
Der Unglücksort liegt auf freiem Feld gegenüber einem Campingplatz an der hessischen Lahn.

Die Explosion war so heftig, dass die Bahn ihren Verkehr einstellen musste.
Die Gleise am gegenüber liegenden Flussufer seien auf etwa 100 Meter Länge verbogen, berichtete ein Bahnsprecher am Dienstag in Frankfurt.

Gas sei ausgetreten. Das hat sich dann offenbar an Funken entzündet, die durch das Bersten des Stahls entstanden.
Nach aktuellen Ermittlungen soll eine Schweißnaht an einer 60 Zentimeter dicken Leitung gerissen sein.
Warum die Pipeline allerdings gerissen ist, steht ebenfalls noch nicht fest. Möglicherweise hat sich die Erde unterhalb der Pipeline abgesenkt.

Gasvolumen im Schadensfall:

Weinbach-Gräveneck:

  • 0,6 m Rohrdurchmesser
  • Druck 60 bar
  • freigesetzte Gasmenge ca. 400.000 m³

Tauerngasleitung:

  • 1,0 m Rohrdurchmesser
  • Druck 100 bar
  • freigesetzte Gasmenge ca. 1.256.000 m³
Quintessenz:
1.256.000 / 400.000 = 3,14
Ein Schadensfall an der Tauerngasleitung hätte die 3-fache Auswirkung.
Im Gegensatz zur weiten Landschaft in Weinbach-Gräveneck liegt der Großteil der Tauerngasleitung in engen Tälern.
Können Sie sich ein 3 x so starkes Inferno in Scheffau oder Krems, in einem engen Tal in Salzburg oder Kärnten vorstellen?

Wollen wir, daß...

  • für eine Einmalzahlung auf unseren Liegenschaften Dienstbarkeiten für internationale Konzerne und russische Oligarchen eingetragen sind?
  • unser Grund und Boden auf Dauer entwertet ist?
  • wir bei allen unseren zukünftigen Bau-, Nutzungs- und Erschließungsvorhaben von der Zustimmung von Konzernen und deren Anwälten abhängig sind?
  • unsere Kinder und Kindeskinder diese Hypotheken tragen müssen?
  • die internationale Finanzmafia goldene Nasen verdient und wir dafür unseren Grund und Boden und unsere Heimat für ein Butterbrot zur Verfügung stellen müssen?
  • unsere Abhängigkeit von den Preisen für Energie weiter den Launen der Finanzwelt unterliegt während unsere nachhaltigen Ressourcen (Holz, Biomasse, Wasser, Wind- und Solarenergie) mangels entsprechender Förderungen und Abnahmeverpflichtungen der E-Wirtschaft (siehe Energiekonzept in Bayern) ungenutzt sind?
???


Peter Goess
Forstwirt, Bürgerinitiative Ebental

Gefangen im Netz der Gasprom

Die AGGM , Austrian Gas Grid Manaement AG Plant die Errichtung eines Gasnetzes , welches den Großteil Österreichs außer Tirol und Vorarlberg umspannt.
Ausgehend von der Gas-Verteilerstation Baumgarten , nahe der tschechischen Grenze , soll eine Gas-Hauptversorgungsleitung errichtet werden , welche über Graz nach Ebenthal bei Klagenfurt und von dort entlang der bestehenden Trasse bis zur Verteiler Pumpstation bei Feistritz südlich von Villach führen soll wo sie an die aus Italien heraufkommende Leitung anschließt .
Ein zweiter Strang soll von Baumgarten über Linz , Salzburg , den Lungau , die Tauern überquerend Richtung und Spittal bei Villach an die Pumpstation anschließen und so das Ringnetz schließen.
In dieses Ringnetz soll von Nord-Osten her russisches Gas gepresst werden und vom Süden her afrikanisches Gas, welches über Lybien am Seeweg in den Golf von Duino gebracht wird, so , daß im Ringnetz überall ca. 100 bar Druck aufrecht bleiben.
In dem über Graz führenden Südstrang fehlt noch das Teilstück von Graz nach Ebenthal . Dieses wurde schon vor Jahren geplant und genehmigt , scheitert aber bis heute am Widerstand der Bürger von Ebenthal und des Klagenfurter Beckens gegen das dort geplante Monstergaskraftwerk . Ohne dieses Monsterkraftwerk ist aber der bau der Trasse nicht rentabel .
Auch der über Linz Salzburg führende Nordstrang ist ohne dieses Monsterkraftwerk , welches nicht ohne diese Gasleitung betrieben werden kann, nicht rentabel. Monsterkraftwerk und Gasleitung sind von einander abhängig . ( gemäß AGGM in FORUM Gas Wasser Wärme 5/2008 Seite 12)
Die Planungsarbeiten für den Nordstrang werden derzeit durchgeführt . Die Grundbesitzer entlang der geplanten Streckenführung werden von Mitarbeitern der Errichtergesellschaft TGL ( Tauern Gas Leitung) unter Führung des Herrn Dr. Lapuch besucht und es werden ihnen „Optionsverträge“ vorgelegt , mit welchen der TGL die erforderlichen Dienstbarkeiten für die Errichtung der Leitung über deren Liegenschaften eingeräumt werden sollen .

Damit stehen die Grundbesitzer vor einer schweren Entscheidung .

Sollen sie zulassen , daß ihr Vermögen für lange Zeit und mehrere kommende Generationen belastet und entwertet wird ?

Die Projektbetreiber , erwartungsgemäß, aber auch einige Politiker aller maßgeblichen Parteien raten den Grundbesitzern sich nicht gegen die Einräumung der Grund-Dienstbarkeit zu wehren . Ihre Argumentation klingt wie folgt .

1) Des muas sein.
2) Des kummt.
3) Des könts net aufhoitn.
Und deswegen – seits froh , daß a Geld krigts !

Diese schlichte Argumentation läßt jegliche Ablehnung als aussichtslos erscheinen und soll den Widerstand der Grundbesitzer gar nicht erst aufkommen lassen. Reicht diese Argumentation für eine so schwerwiegende lang wirkende und Generationen belastende Entscheidung ? Nein!!!
Jeder , der ein genehmigungspflichtiges Vorhaben durchgeführt hat , weiß , daß die Behörde , welche die Verantwortung für die Genehmigung trägt , vor ihrer Zustimmung vollständige Unterlagen verlangt , aus denen hervorgeht , wie sich das Vorhaben auf die Betroffenen und die Allgemeinheit jetzt und in absehbarer Zukunft auswirken wird . Die Entscheidung erfolgt meist auf der Grundlage von verordneten Entwicklungskonzepten wie Raumordnungen.

Die Grundbesitzer können aber auf Grund der ihnen vorgelegten , umfangreichen Planungsunterlagen folgende entscheidenden Fragen nicht beantworten :

  1. Wie wirkt sich das Vorhaben aus auf
    a) die Ertragslage ihres Betriebes und
    b) den Verkehrswert ihrer Grundstücke.
    Die Nutzung des Erdgases steht in direkter Concurenz zu der Nutzung von Biomasse aus Forst und Landwirtschaft und hat unmittelbare Auswirkungen auf den Holz-Preis in der Region .
    Das Leitungsrecht macht jegliche andere Nutzung als Grünland oder Wald auf immer unmöglich .
    Im Falle einer Explosion , wie z.B. in Hessen bei Hanau geschehen , besteht in einer Entfernung von 150m bis 200 m höchste Gefahr für Leib und Gut . Dadurch ist der Verkehrswert in einer Breite von 200m entlang der Gasleitung sehr gering . Wer möchte schon dort wohnen oder arbeiten , wo er riskiert lebendig gebraten zu werden ? ( Ich verweise auf die Bilder und Berichte des Explosionsfalles Hessen )
  2. Welche Auswirkung hat das Vorhaben auf die Abhängigkeit von der Versorgung mit Gas und anderen phosilen Brennstoffen und auf die Entwicklung von alternativen Energiequellen in der Region ?
  3. Welches Energiepotenzial gibt es in der Region mittel- und langfristig ?

Von der Beantwortung dieser Fragen müssen die Grundbesitzer ihre Entscheidung abhängig machen . Sie tragen als Grundbesitzer ein höheres Maß an Verantwortung gegenüber ihren Nachkommen und gegenüber den Bewohnern der Region in welcher sie leben . Sie müssen daher verlangen , daß zuerst eine „EnergieRaumordnung“ welche auf die obigen Fragen eingeht vorgelegt werde.
Diese Energieraumordnung muß für die zukünftige Genehmigung von Anlagen welche das Erdgas nutzen werden , wie Kraftwerke und kommunale Heizwerke, bindend sein und auch die weltweite Entwicklung der Reserven von Gas und deren Verfügbarkeit berücksichtigen .
Erst , wenn nach Vorliegen einer solchen Energieraumordnung , eine Zustimmung zu dem gewünschten Leitungsrecht denkbar wäre, was ich bezweifle , könnte über eine angemessene Entschädigung verhandelt werden .

In Anbetracht der gravierenden Auswirkungen welche auf lange Sicht gar nicht vorhersehbar sind , sollten sich die Grundbesitzer nicht mit Einmalzahlungen abspeisen lassen . Es müßte sichergestellt werden , daß die laufende Entschädigung angepaßt wird wenn die regionale Nutzung des durchgeleiteten Gases zunimmt oder wenn auf dem belastetem Grundstreifen eine Widmung ,z.B. Bauland , nicht möglich wird , welche auf einem anderem Grundstück , unter sonst vergleichbaren Bedingungen, tatsächlich gegeben wird.

Auf höherer Ebene wird die Errichtung des Gasleitungsnetzes mit - zunehmendem Bedarf der Wirtschaft und - größerer Liefersicherheit durch Lieferung nicht nur aus Rußland begründet.

Nimmt der Bedarf an Erdgas tatsächlich zu ? Das stimmt nur dann, wenn jene technische Entwicklung gebremst wird , welche andere Energiequellen verstärkt nutzbar macht und vorhandene Energie rationeller einsetzt . Genau diese technische Entwicklung wird durch den Einsatz von Gas gebremst .

Liefersicherheit? Unabhängigkeit von Russland durch Anschluß an das italienische Gasnetz ? Woher kommt das Gas in der italienischen Leitung ? – Aus Lybien? Das dort vorhandene Gas würde nicht reichen um Europa alleine zu versorgen . Daher wurde zuerst in Europa der Plan geboren Erdgas aus Nigeria , tausende Kilometer durch die durch die Wüste, nach Lybien zu leiten und es von dort mit dem lybischem Gas nach Europa , in den Golf von Duino, zu bringen .

Dieser Plan wurde von den Europäern wegen zu hoher Kosten aufgegeben . Da kam der oberste Energieberater des Ministerpräsidenten Putin , Alexei Miller , Cheff von GasProm , angereist und erwarb das Recht das Gas nach Lybien zu leiten – und so wird es geschehen .
Der selbe Alexei Miller erschien vor kurzem in Aserbeitschan und kaufte zum Spitzenpreis jenes Gas , welches die Europäer in ihre Gasleitung Nabuco leiten wollten.

Auch in Persien hat Russland die besseren Karten weil es in der Atomfrage seine schützende Hand über das persische Atomprojekt gehalten hat .

GasProm ist auch direkt und indirekt beteiligt an den an der AGGM AG maßgeblich beteiligten Gesellschaften wie der deutschen E.ON , der OMV und einigen österreichischen Landesenergiegesellschaften .

Russland hier, Russland da! Was das für die Unabhängigkeit der österreichischen und europäischen Politik gegenüber Russland bedeutet muß allen klar sein .

Die Grundbesitzer sind gewohnt Entscheidungen für Generationen zu treffen und werden sich nicht über den Tisch ziehen lassen.

Die verantwortlichen Politiker und Interessenvertreter werden sie dabei unterstützen .

Peter Goess



Dieter Burgstaller, Unternehmer und Landwirt in Döbriach, Gemeinderat in Radenthein, Kammerrat der Wirtschafts- kammer Kärnten

 

Landwirtschaftskammer: Verrat an den Bauern

Ende Juli 2008 kam ich erstmalig mit der Materie "Tauerngasleitung" in Kontakt. Die Landwirtschaftskammer Kärnten hatte in Radenthein zu einer Informationsveranstaltung geladen. Im Vortrag wurden die Angebote der TGL für die Grundablösen erläutert und es wurde erklärt, man bräuchte möglichst viele Unterschriften der Grundeigentümer, um offiziell in Verhandlungen mit der TGL treten zu können. Vorallem wolle man dann in diesen Verhandlungen eine jährliche Pacht einfordern. Ich habe - wie alle anderen Anwesenden auch - unterschrieben, meldete mich dann aber zu Wort: "Mit meiner Unterschrift gebe ich Euch die Erlaubnis, für mich die Entschädigungen auszuhandeln - aber ich will ja gar keine Leitung über meinen Grund und Boden!" Ein Raunen ging durch die Menge, dann Applaus, der immer lauter wurde... Schließlich fragten die anderen Anwesenden nach: "Ach, kann man da auch dagegen sein?"
Die Vertreter der LK kamen ins Stottern. Ja, man könne auch dagegen sein, aber die Landwirtschaftskammer müsse halt alle Bauern vertreten, auch die, die das Geld haben wollen - deshalb könne sie nicht dagegen sein...

Der Sommer verging und im Oktober hatte ich endlich Zeit für die Gründung der Bürgerinitiative "NEIN zur TGL". Dafür kontaktierte ich wiederum meine Berufsvertretung, die Landwirtschaftskammer. Ich bat um die Adressen der Anrainer, um diese mit der Einladung zur Gründungsversammlung in Radenthein anschreiben zu können. Ich bekam auch umgehend eine Exel-Datei, die allerdings etwas seltsam anmutete - das konnten nicht die Adressen der Grundeigentümer sein. Ich rief daher die LK erneut an, um diese Liste zu reklamieren. Man gab schließlich zu, daß dies nur die Adressen jener wären, die bei der Veranstaltung in Radenthein unterschrieben hätten, sowie einer privaten Unterschriftensammlung gegen die TGL in Ferndorf. Ich erklärte, daß ich damit nichts anfangen könne - und nochmals: ich bräuchte die Unterschriften der betroffenen Grundbesitzer.
Gut, er werde mir diese schicken.

Schon am nächsten Tag standen zwei Herren von der TGL mit einem Vorvertrag vor meiner Haustür. Ob dies nun ein Zufall war oder nicht, sei dahingestellt - als ich jedenfalls die mir bekannten Grundeigentümer durchtelefonierte, waren sie auch dort schon gewesen oder gerade anwesend oder hatten sich angemeldet, noch zu kommen...

Die Woche verging, ohne daß ich die Adressen bekam, ich intervenierte, es kam nichts, es wurde Freitag und am Montag sollten die Einladungen am Postamt sein, ich intervenierte wieder, es wurde mir wieder versprochen, am Freitag Abend war immer noch nichts da...!
Schließlich bekam ich den Kontakt zu unserem Michael Johann, der mir die Adressen über die Grünen Bäuerinnen und Bauern besorgte.

Drei Informationsveranstaltungen gingen ins Land - trotz sogar telefonischer Einladung tauchte von der Landwirtschaftskammer niemand auf - lediglich stets zwischen 3 und 5 Mann von der TGL...

Zur dritten Veranstaltung (Kremsbrücke) lud ich schließlich den Großkirchheimer Bürgermeister und Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Peter Suntinger ein und staunte nicht schlecht, als er mit Akten beladen bei der Veranstaltung einmarschierte. In der Diskussion stand er schließlich auf und konnte mit einem handfesten Skandal aufwarten. Im Präsidium war im Jänner von einer geplanten Gasleitung berichtet worden - weiter nichts. Im April hatte er nochmal nachgefragt und zur Antwort bekommen, es gebe eigentlich nichts Neues. Durch die Zeitungsberichte und unsere Veranstaltungen sei die Leitung nun wieder in seine Aufmerksamkeit gerückt und er habe sich die Protokolle aushändigen lassen, die er nun hier präsentieren könne. Seit wenigstens Jänner sei Hartlieb zigmal bei Verhandlungen in Salzburg gewesen und zigmal waren Vertreter der TGL und der Salzburger Kammer nach Klagenfurt gekommen! Darüber wäre im Präsidium nicht ein einziges Mal berichtet worden, geschweige denn, daß man über die Linie der Landwirtschaftskammer in dieser Causa beraten hätte. Die Landwirtschaftskammer habe somit nicht nur an den Bauern und Grundbesitzern vorbei verhandelt, sondern auch am eigenen Präsidium - diese handelnden Personen wären somit nicht Berufsvertreter, sondern Berufsverräter!

Am nächsten Tag findet sich in den Salzburger Nachrichten ein Bericht über den Salzburger Bauernvertreter Stefan Weiß, der zeitgleich den selben Skandal in der Landwirtschaftskammer Salzburg aufdeckt. Während dort praktisch bereits 100% der Bauern gegen die Gasleitung unterschrieben hätten - warum verhandelt dann die Landwirtschaftskammer fröhlich weiter über Grundablösen???

Selbstverständlich haben wir über diesen Skandal umgehend eine Pressemitteilung verfaßt und verschickt.
...doch leider fand sich bis dato kein Wort darüber in den Kärntner Zeitungen.

Am 28. November erscheint dann dafür ein Artikel im Kärntner Bauer, in dem Dr. Hartlieb nicht nur die Bürgerinitiative, sondern als Angestellter der LK auch seinen eigenen Vizepräsidenten Suntinger (bezeichnet als "unterschiedlich motivierte Gruppen und Personen") angreift und "polemische Behauptungen" unterstellt. "Nur die LK vertritt die Interessen der Grundeigentümer" behauptet Hartlieb dreist sogar in der Überschrift. Ja, behaupte ich hingegen - aber nur die jener Minderheit, die für ein Almosen bereit ist, die Heimat zu verkaufen! Die überwältigende Mehrheit der Kärntner Bauern kenne ich aber anders! Und ich sage, ein Kammerangestellter, der seinen eigenen Vizepräsidenten in der LK-Zeitung angreift, hat seine Kompetenzen einmal zu oft überschritten!!!